Bürgersprechstunde Geiselhöring: Bürgernähe offenbar nicht erwünscht
Der Antrag wurde offenbar nicht einmal richtig gelesen
Besonders bemerkenswert wurde die Diskussion, als Bürgermeister Lichtinger öffentlich Kritik am Antrag äußerte, die im Antrag selbst längst beantwortet war. Erst nachdem darauf hingewiesen wurde, dass die Antwortfrist von 14 Tagen ausdrücklich im Antrag enthalten ist, wurde der Antrag nochmals leise vorgelesen.
Danach wurde das Ganze erstaunlich schnell überspielt.
Das hinterließ bei vielen Zuhörern vermutlich denselben Eindruck wie ein Fahrlehrer, der mitten in der Prüfung plötzlich feststellt, dass er die Straßenverkehrsordnung nur grob überflogen hat.
Bürgernähe klingt gut – solange niemand Fragen stellt
Der eigentliche Gedanke hinter dem Antrag war simpel: Bürger wieder näher an die Kommunalpolitik heranführen. Denn viele Menschen fühlen sich von politischen Entscheidungen längst ausgeschlossen. Sitzungen wirken oft wie geschlossene Veranstaltungen mit Publikumspflicht, aber ohne echte Beteiligung.
Genau hier hätte eine Bürgersprechstunde ansetzen können.
Mehr Transparenz.
Mehr Beteiligung.
Mehr Interesse an den Sitzungen.
Doch offenbar bestand daran wenig Interesse.
„Ich möchte, dass jetzt endlich abgestimmt wird“
Besonders aufschlussreich war dabei eine Aussage aus der CSU-Fraktionsführung:
„Ich möchte, dass jetzt endlich abgestimmt wird.“
Eine bemerkenswerte Aussage bei einem Antrag, der sich ausgerechnet mit Bürgerbeteiligung beschäftigt.
Man hätte fast meinen können, jede weitere Diskussion könnte versehentlich noch zu mehr Bürgernähe führen.
Das Abstimmungsergebnis spricht für sich
Am Ende stimmten nur die drei Stadträte der AfD/FG-Fraktion sowie Sebastian Hofmeister für den Antrag.
Alle anderen lehnten ihn ab.
Und genau deshalb wächst bei vielen Bürgern das Gefühl, dass sich in der Kommunalpolitik oft weniger um Beteiligung als vielmehr um eingespielte Abläufe dreht.
Vor der Wahl spricht man gerne von Offenheit.
Nach der Wahl scheint Diskussion plötzlich eher lästig zu werden.
Genau deshalb braucht es echte Opposition im Stadtrat
Viele Bürger haben die AfD/FG-Fraktion gewählt, weil sie genau dieses politische Schauspiel satt haben. Immer dieselben Abläufe. Immer dieselben Mechanismen. Immer dieselbe Selbstzufriedenheit.
Wer Bürgernähe ernst meint, sollte keine Angst vor Bürgerfragen haben.
Wer Transparenz ernst meint, sollte Diskussionen nicht möglichst schnell beenden wollen.
Und wer Veränderung verspricht, sollte nicht in der ersten Sitzung wieder exakt dort weitermachen, wo der alte Stadtrat aufgehört hat.
📄 Antrag im Original lesen
Damit sich jeder Bürger selbst ein Bild machen kann, stellen wir den abgelehnten Antrag hier vollständig zur Verfügung.
Dieser Antrag wurde im Stadtrat mehrheitlich abgelehnt.







